Umbau des SIEMES Fernschreibers T1000 (Z/Z1)

Grundsätzliches

Beim Fernschreiber T1000 handelt es sich um einen elektronischen Fernschreiber, bei dem, bis auf das Druckwerk und den Lochstreifenstanzer, kaum mechanische Teile eingesetzt werden. Der Fernschreiber arbeitet daher sehr leise.

Die Maschine besteht aus einzelnen Baugruppen, die durch Steckverbindungen untereinander verbunden sind. Durch diesen Aufbau sollte der Service vereinfacht werden. Bei defekten Baugruppen werden die kompletten Module getauscht. Die Maschine lässt sich recht leicht zerlegen um an die Baugruppen zu gelangen.

In der Regel ist die T1000 nur nach Umbau für Amateurfunkzwecke zu verwenden. Die Geschwindigkeit muss angepasst und ein „Interface“ zum Anschliessen an die Amateurfunkumgebung gebastelt werden.

Übersicht mit Darstellung der Baugruppen Bilder: ->1 ->2 ->3

Umstellen der Geschindigkeit

Dieses ist die größte Hürde die beim Einsatz für Amateurfunkzwecke zu überwinden ist.

Die Geschwindigkeit der Maschinen ist im Originalzustand für 50 / 75 und 100 Bd umschaltbar. Der Schalter befindet sich, von der Tastatur aus gesehen, rechts oben neben der Schreibwalze und besteht aus einem kleinen grauen Kasten. Dort kann auch die Andruckstärke des Schreibrades und der Zeilenvorschub eingestellt werden.

Die Taktfrequenz für die Geschwindigkeit wird von einem Quarz durch entsprechende Teiler abgeleitet. Das bedeutet, um die Geschwindigkeit anzupassen, muß der Quarz getauscht werden. Nach dem austauschen des Quarzes läuft die Maschine dann natürlich nur noch auf 45,45 Bd. Beim Umschalten mit dem oben beschriebenen Schalter auf 75 bzw. 100 Bd ergeben sich dann „krumme“ und somit unbrauchbare Geschwindigkeiten.

Die Frequenz des neuen Quarzes kann man wie folgt berechen:

Ein Schritt eines Fernschreibzeichens ist bei

- 50 Bd 150 ms lang, das enstspricht einer Frequenz von 6,6 kHz

- 45,45 Bd 165 ms lang, das sind 6,0 kHz

Probe: wenn in der T1000 ein Quarz von 2,112 MHz eingebaut ist, (wie bei meiner Maschine), dann ergibt sich für 50 Bd folgende Rechnung:

0,066 MHz x 2 x 16 = 2,112 MHz

Für 45,45 Bd ist somit folgender Quarz erforderlich:

0,060 MHz x 2 x 16 = 1,92 MHz

Ratsam ist das Austauschen des Quarzes aber aus den oben genannten Gründen nicht. Es gibt noch etliche Sendungen die in 50 oder 100 Bd zu empfangen sind. Besser ist es man baut sich einen Geschwindigkeitswandler der die empfangenen Zeichen auf 100 Bd umwandelt und gleichzeitig die Sende-Zeichen auf 45,45 Bd umsetzt.

Hier sind die OM fein raus, die noch einen alten DJ6HP-022 Geschwindgikeitswandler aus den 70-er-Jahren besitzen. Dieser Wandler eignet sich vorzüglich für die Anpassung der T1000. Alle Anderen sind gezwungen in der Literatur nach einer geeigneten Schaltung zu suchen. Ein Nachbau des 022 ist nicht mehr möglich, da die verwendeten Speicherbausteine nicht mehr lieferbar sind. Der Wandler ist in den RPB Band 25, DJ6HP, „Amateur-Funkfernschreibtechnik RTTY“ beschrieben.

Anpassen an die Station

Ein weiteres Problem ergibt sich beim Anschluß des Fernschreibers an den vorhandenen Converter. Hier muß zuerst die Art des Anschlusses geprüft werden. Manche Converter lassen den Anschluß der Maschine über einen 40 mA-Linienstromkreis zu. Dieses ist die übliche Anschlussweise mechanischer Maschinen.

Das Anschusskabel der Fernschreibmaschinen ist vierpolig ausgeführt. Zwei Adern führen zum Empfangsmagneten und die anderen zwei zum Sendekontakt. Üblicherweise schaltet man Sendekontakte und Empfangsmagneten in Reihe, damit dass was auf der Tastatur des Fernschreibers geschrieben wird, auch auf dem Papier abgedruckt wird. Das bedeutet von den vier Leitungen am Anschluss-Stecker müssen zwei Adern verbunden werden. Dieses sind, wenn der Fernschreiber der „Postnorm“ entspricht die braune und die gelbe Leitung. Übrig bleiben eine weisse und eine grüne Leitung, die man an den Linienstromkreis anschliesst.

Beim elektronischen Fernschreiber ist es etwas anders. Der Anschluss-Stecker ist zwar in der Regel auch mit den gleichen Adern belegt, vorausgesetzt die Maschine stammt aus dem Telex-Netz, jedoch sind keine mechanischen Sende- und Empfangsstufen vorhanden, sondern elektronische Schaltungen. Diese sind in der T1000 auf einer der Platinen aufgebaut und werden duch das sogenannte „LAT“ - (Leitungsanpassungsteil), mit der Aussenwelt verbunden.

Um die Maschine an die verschiedensten Gebrauchsmöglichkeiten anpassen zu können, sind unterschiedlche LATs vorhanden. Das LAT besteht aus einer Europakarte, oder auch einer etwas größeren Platine die zwischen dem Netzteil und dem Drucker von links eingeschoben wird. Bei der „Z-Ausführung“ der T1000, die mit einem Verschlüsselungszusatz verbunden werden konnte, ist es eine große Platine die über einige Steckverbindungen mit der restlichen Elektronik verbunden wird.

Die Telex-Ausführung des LAT besteht in der Regel aus einer Europakarte die in ein Gehäuse eingebaut und mit einer Steckerleiste, wie bei Karten in Einschubtechnik üblich, ausgerüstet ist. Bei meiner Maschine war es ein „SEU B2“ - (Sende-Empfangsumsetzer), dieser arbeitet, grob vereinfacht, mit einer AFSK-Schaltung, d.h. die Fernschreibzeichen werden als Tonsignale übertragen. Für unsere Zwecke sind die LATs nur schwer umzurüsten.

Es ist daher ratsam eine eigene Karte aufzubauen. Diese lässt sich dann ohne Probleme gegen das LAT austauschen, zumindest bei der üblichen Telex-Ausführung der T1000.

Bei der Z-Ausführung ist etwas mehr Aufwand erforderlich, da hier eine größere Karte vorhanden ist und der Anschlußstecker für die Europakarte fehlt.

Die Steckerbelegung für den SEU B2 ist wie folgt:

02 Sendekontakt (Leitung zum FS-Stecker)

03 Empfangsmagnet (Leitung zu FS-Stecker)

12 Sendedaten von Steuerteil (STT)

15 Empfangsdaten zum Steuerteil (STT)

17 + 12 V (+B)

18 - 12 V (-B)

19 Masse

31 + 5 V

Wie ein selbstgebautes LAT aussehen kann, finden Sie hier. Es ist eine Schaltung die bei mir seit Jahren einwandfrei funktioniert. Sie ist aus verschiedenen Veröffentlichungen in der „RTTY“ der DAFG entstanden. Ich verwende zur Tastung der Funkgeräte Signale auf TTL-Pegel, daher sind hier Opto-Koppler eingesetzt. Die Schaltung kann natürlich auch für Linienstromkreise ausgelgegt werden.

Die Steckerbezeichnung im Schaltbild entspricht der Bezeichnung in den Siemens-Handbüchern zur T1000. Der LAT-Stecker hat die Bezeichnung „X1“. X1.31 ist also der 5 V Anschuß, siehe Tabelle oben.

Dem LAT nachgeschaltet ist unter Umständen noch ein Relaisteil, welches man sich ansehen muß. Ggf. kann es entfallen. Das gleich gilt für das „Störschutzteil“ welches aufwendig konstruiert ist, aber für unsere Anschußtechnik nicht unbedingt geeignet ist, siehe Fotos.

Hier muß man ausprobieren ob man es belässt oder überbrückt.

Die o.g. Beschreibung soll nur eine Hilfestellung für den Einstieg mit der Maschine sein. Alles zu veröffentlichen ist zu aufwendig. Die bei mir vorhandenen Handbücher umfassen drei DIN-A4-Ordner die auf alles eine Antwort geben. Sie helfen allerdings nicht immer weiter, da es verschiedene Versionen der T1000 gibt. Soweit möglich, bin ich aber gern bereit Hilfestellung zu geben.

Zu den Fotos -->

Gehäuse

Ansicht von oben -1

Ansicht von oben -2

LAT -1

LAT -2

Störschutzteil

Störschutzteil von innen

LAT aus T1000-Z